Preiskalkulation in der Fertigung: vom Stundensatz zum Angebot

Preiskalkulation in der Fertigung: vom Stundensatz zum Angebot

Eine profitable Preiskalkulation in der Fertigung beruht auf fünf Bausteinen: einem ehrlich berechneten Maschinenstundensatz, Materialkosten mit Aufschlag, Rüstkosten, einem Mindestbestellwert und klaren Regeln für Mengenstaffeln und Eilzuschläge. Wer diese Bausteine einmal sauber festlegt, erstellt jedes Angebot in Minuten statt in Stunden und kann die Kalkulation später automatisieren. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie als Lohnfertiger oder Werkstatt Ihre Kalkulation aufbauen, inklusive eines durchgerechneten Beispiels.

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Warum viele Werkstätten zu billig anbieten

In kleinen und mittleren Betrieben entsteht der Preis oft aus Erfahrung: ein Blick auf die Zeichnung, ein Vergleich mit einem ähnlichen Teil, eine runde Zahl. Das funktioniert, solange ein erfahrener Meister jedes Angebot selbst schreibt. Es stößt an Grenzen, sobald die Anfragen zunehmen, Mitarbeiter wechseln oder Kunden ein Online-Angebot innerhalb von Minuten erwarten. Typische Fehler in der Vorkalkulation:

  • Der Stundensatz wird mit allen bezahlten Stunden gerechnet statt mit den tatsächlich produktiven Stunden.
  • Rüstzeit und Programmierung werden bei Kleinserien stillschweigend verschenkt.
  • Material wird zum Einkaufspreis weitergegeben, ohne Verschnitt, Lagerung und Beschaffungsaufwand.
  • Kleinstaufträge verursachen mehr Verwaltungsaufwand, als sie einbringen.
  • Eilaufträge bringen die Fertigungsplanung durcheinander, werden aber zum Normalpreis berechnet.

Preiskalkulation in der Fertigung: vom Stundensatz zum Angebot – Überblick der wichtigsten Punkte
Die wichtigsten Punkte dieses Ratgebers auf einen Blick.

Schritt 1: Den Maschinenstundensatz berechnen

Der Maschinenstundensatz ist das Herzstück Ihrer Kalkulation. Er gibt an, was eine Stunde auf einer bestimmten Maschine Ihr Unternehmen wirklich kostet. Klassisch enthält er nur die maschinenabhängigen Kosten, der Lohn wird getrennt kalkuliert. Viele Lohnfertiger arbeiten jedoch mit einem kombinierten Stundensatz, der Bedienerlohn und einen Anteil der Gemeinkosten einschließt. Beide Wege sind richtig. Entscheidend ist, dass keine Kostenart doppelt oder gar nicht erfasst wird.

Diese Kosten gehören hinein

  • Kalkulatorische Abschreibung: Wiederbeschaffungswert geteilt durch die Nutzungsdauer.
  • Kalkulatorische Zinsen auf das gebundene Kapital.
  • Raumkosten für die Stellfläche inklusive Bedien- und Lagerfläche.
  • Energie, Druckluft, Kühlschmierstoff, Gase.
  • Instandhaltung und Werkzeugverschleiß.
  • Bedienerlohn inklusive Lohnnebenkosten, wenn Sie kombiniert rechnen.
  • Gemeinkostenanteil für Verwaltung, Vertrieb, Software und Versicherungen.

Die richtige Stundenbasis

Teilen Sie die Jahreskosten durch die produktiven Stunden, nicht durch die Anwesenheitszeit. 220 Arbeitstage mit je 8 Stunden ergeben in einer Schicht rund 1.760 bezahlte Stunden. Nach Wartezeiten, Störungen, Wartung und Leerlauf bleiben weniger verkaufbare Stunden übrig. Die Rüstzeit rechnen Sie separat ab (Schritt 3), deshalb zählt sie hier nicht mit. Wenn Sie Ihre Auslastung nicht kennen, setzen Sie die Stunden vorsichtig an und erfassen Sie einige Wochen lang die echten Laufzeiten.

Schritt 2: Materialkosten mit Aufschlag

Material wird nicht zum Einkaufspreis verkauft. Kalkulieren Sie zuerst das Rohteil: Rohmaß mit Aufmaß, Verschnitt beim Sägen oder Schachteln, Mindestabnahmemengen beim Händler. Darauf kommt ein Materialgemeinkostenzuschlag für Einkauf, Lagerung, Kapitalbindung und Ausschuss. Bei teuren Werkstoffen wie Titan oder technischen Kunststoffen ist ein kleinerer prozentualer Aufschlag mit festem Mindestbetrag oft fairer als ein hoher Prozentsatz. Im 3D-Druck gilt dasselbe Prinzip: Verbrauch inklusive Stützstrukturen und Fehldrucke, plus Aufschlag.

Schritt 3: Rüstkosten getrennt kalkulieren

Rüstkosten fallen einmal pro Auftrag an, egal ob Sie ein Teil oder hundert fertigen: Programmierung, Spannmittel vorbereiten, Werkzeuge einmessen, Erstteilprüfung. Kalkulieren Sie sie als Rüstzeit mal Stundensatz und verteilen Sie sie auf die Losgröße. So wird transparent, warum ein Einzelteil teuer ist, und Ihr Kunde erkennt den Vorteil größerer Mengen.

Schritt 4: Gewinnzuschlag – Aufschlag ist nicht Marge

Auf die Selbstkosten kommt Ihr Gewinnzuschlag. Beachten Sie den Unterschied: 25 % Aufschlag auf die Kosten ergeben 20 % Marge am Verkaufspreis. Wer 20 % Marge plant, aber mit 20 % Aufschlag rechnet, liegt bei jedem Auftrag unter dem Ziel. Legen Sie fest, womit Sie rechnen, und bleiben Sie dabei. Für unterschiedliche Technologien oder Kundengruppen dürfen die Sätze verschieden sein.

Schritt 5: Mindestbestellwert, Mengenstaffel und Eilzuschlag

Mindestbestellwert

Jeder Auftrag verursacht Fixaufwand: Angebot, Auftragsbestätigung, Arbeitsplan, Verpackung, Rechnung, Zahlungskontrolle. Schätzen Sie diesen Aufwand in Minuten, multiplizieren Sie ihn mit Ihrem Bürostundensatz und legen Sie den Mindestbestellwert mindestens auf diese Höhe. Liegt ein Auftrag darunter, wird auf den Mindestwert angehoben.

Mengenrabatte in Staffeln

Mengenrabatte sollten aus echten Effekten entstehen: verteilte Rüstkosten, bessere Materialpreise, mannlose Fertigung, optimierte Programme. Legen Sie wenige, klare Staffeln fest, zum Beispiel ab 10, ab 50 und ab 250 Stück, und prüfen Sie für jede Staffel, dass der Preis noch über den Selbstkosten liegt.

Eilzuschlag

Ein Expressauftrag verdrängt andere Aufträge und erzeugt Überstunden oder Expressversand. Ein fester prozentualer Zuschlag für eine verkürzte Lieferzeit ist für Kunden nachvollziehbar. Bieten Sie Eilfertigung aber nur an, wenn Ihre Kapazität es hergibt, sonst gefährden Sie die Termine Ihrer Stammkunden.

Beispiel: eine Kalkulation mit runden Zahlen

Beispiel: Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und dienen der Veranschaulichung. Sie ersetzen nicht die Kalkulation mit Ihren eigenen Kosten.

Kombinierter Stundensatz einer CNC-Fräsmaschine

Kostenart pro Jahr
Abschreibung (100.000 € über 10 Jahre) 10.000 €
Zinsen, Raum, Energie, Instandhaltung, Werkzeuge 15.000 €
Bedienerlohn inklusive Nebenkosten 40.000 €
Gemeinkostenanteil 25.000 €
Summe 90.000 €
Produktive Stunden 1.500 h
Stundensatz 60 €/h

Auftrag: 50 Halter aus Aluminium

  • Material: 4,00 € Rohteil plus 20 % Materialaufschlag = 4,80 € pro Teil
  • Bearbeitung: 6 Minuten = 0,1 h × 60 €/h = 6,00 € pro Teil
  • Rüstkosten: 1 h Programmieren und Rüsten = 60 €, verteilt auf 50 Teile = 1,20 € pro Teil
  • Selbstkosten: 4,80 € + 6,00 € + 1,20 € = 12,00 € pro Teil
  • Gewinnzuschlag 25 %: 12,00 € × 1,25 = 15,00 € pro Teil, also 750 € für den Auftrag

Ein einzelnes Teil: 4,80 € + 6,00 € + 60,00 € = 70,80 € Selbstkosten, mit Zuschlag 88,50 €. Bei einem Mindestbestellwert von 150 € wird dieser Auftrag auf 150 € angehoben.

250 Teile: Der Rüstanteil sinkt auf 0,24 € pro Teil, die Selbstkosten auf 11,04 € und der Stückpreis auf 13,80 €. Ein Teil der Mengenstaffel entsteht also automatisch. Ein zusätzlicher Rabatt ist sinnvoll, wenn Sie bei dieser Menge auch günstiger einkaufen oder mannlos fertigen.

Eilauftrag: Halbe Lieferzeit gegen 30 % Zuschlag ergibt für die 50 Halter 750 € × 1,3 = 975 €.

Schritt 6: Aus der Kalkulation Preisregeln machen

Damit eine Kalkulation automatisch laufen kann, muss sie als Regeln vorliegen und nicht im Kopf einzelner Mitarbeiter. Diese Werte brauchen Sie:

  1. einen Stundensatz pro Maschine oder Maschinengruppe,
  2. einen Preis pro Werkstoff (pro kg, Platte oder Volumen) plus Aufschlag,
  3. Rüstkosten pro Auftrag oder pro Teilenummer,
  4. einen Gewinnzuschlag je Technologie,
  5. einen Mindestbestellwert,
  6. Mengenstaffeln,
  7. Zuschläge für Oberflächen, enge Toleranzen und Eilfertigung.

Überprüfen Sie die Regeln regelmäßig, spätestens bei Änderungen von Energie- oder Lohnkosten, und vergleichen Sie Vor- und Nachkalkulation: Wie lange hat das Teil wirklich gedauert, wie viel Material wurde wirklich verbraucht?

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  • KI-Preisengine: laut SeekMake mit mehr als 10 Millionen realen Fertigungsteilen trainiert, mit rund 98 % Genauigkeit.
  • Herstellbarkeitsanalyse (DFM) der hochgeladenen Dateien, bevor ein Auftrag in die Fertigung geht.
  • Kostenlose Expertenhilfe bei der Einrichtung: Ein SeekMake-Experte überträgt mit Ihnen Ihre Kalkulation in Preisregeln, per WhatsApp oder in einem gebuchten Gespräch. Das Einrichtungsgespräch ist kostenlos.
  • Email to Quote: Eine Anfrage per E-Mail leiten Sie an ein Angebotspostfach weiter, daraus entsteht automatisch ein Angebotsentwurf. Das ist praktisch für Sonderfälle wie Eilaufträge, die Sie vor dem Versand prüfen möchten.
  • Rabatte und Gutscheine im Dashboard, Bezahlung über Ihr eigenes Stripe- oder PayPal-Konto.

SeekMake ist kein Marktplatz: Kunden, Marke und Marge bleiben bei Ihnen. Für Unternehmen, die ihre Daten auf eigenen Servern halten möchten, gibt es eine On-Premises-Variante. Der Einstieg mit dem Starter-Tarif ist kostenlos (9 % Gebühr auf online bezahlte Bestellungen), Growth kostet 990 € pro Jahr bei 2,5 % Gebühr (Stand Oktober 2026).

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Maschinenstundensatz?

Addieren Sie die Jahreskosten der Maschine (Abschreibung, Zinsen, Raum, Energie, Instandhaltung, bei kombinierter Rechnung auch Lohn und Gemeinkostenanteil) und teilen Sie die Summe durch die produktiven Stunden pro Jahr. Im Beispiel oben: 90.000 € geteilt durch 1.500 Stunden ergibt 60 € pro Stunde.

Wie hoch sollte der Mindestbestellwert sein?

Mindestens so hoch, dass der feste Aufwand eines Auftrags gedeckt ist: Angebot, Arbeitsvorbereitung, Verpackung, Rechnung und die Rüstkosten. Ermitteln Sie den Wert aus Ihrem eigenen Zeitaufwand statt aus Branchenwerten.

Soll ich Rüstkosten separat ausweisen?

Beides funktioniert. Separat ausgewiesene Rüstkosten sind transparent und erklären hohe Einzelteilpreise. Eingerechnete Rüstkosten ergeben einen klaren Stückpreis, was im Onlineverkauf meist besser ankommt.

Kann ich meine bestehende Excel-Kalkulation übernehmen?

Die Logik Ihrer Kalkulation, also Stundensätze, Materialpreise, Aufschläge und Staffeln, lässt sich in Preisregeln übertragen. Im kostenlosen Einrichtungsgespräch gehen Sie diese Werte gemeinsam mit einem SeekMake-Experten durch.

Nächster Schritt

Wenn Ihre Kalkulation steht, ist der Weg zum Sofortangebot auf Ihrer Website kurz. Registrieren Sie sich kostenlos als Hersteller oder buchen Sie ein kostenloses 30-minütiges Einrichtungsgespräch, in dem wir Ihre Preisregeln gemeinsam anlegen.

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SeekMake ist eine White-Label-Lösung für Sofortangebote und Online-Bestellungen für Fertigungsbetriebe, entwickelt von der SeekMake EU SAS in Marseille. Unsere Ratgeber basieren auf unserer Arbeit mit Fertigungsbetrieben in ganz Europa. Mehr über SeekMake